melior AG

Mit Schub in die Säugezeit

Fachbericht von Benoït Sahli, Schweinespezialist, melior

Neugeborene Ferkel brauchen besondere Aufmerksamkeit und Betreuung. Das gezielte Management nach der Geburt lohnt sich.

Nach dem erfolgten, nicht zu lange dauernden Geburtsablauf ist die rasche Kolostrumaufnahme oberstes Ziel.Die Ferkel sollen innerhalb der ersten 20 Lebensminuten das erste Mal an den Zitzen der Muttersau saugen. Das Kolostrum des Muttertiers liefert spezifische Antikörper gegen Viren und Bakterien und verleiht dem Ferkel die nötigen Abwehrkräfte. Kolostrum stellt eine wichtige Energiequelle dar, und das Ferkel wird mit essenziellen Aminosäuren für das Wachstum sowie mit wichtigen Inhaltsstoffen für Funktion und Entwicklung der Organe wie Darm, Niere oder Leber versorgt. Für die Mindestaufnahm von 250 Gramm hoch qualitativem Kolostrum pro Ferkel kann das kurzzeitige Wegsperren der erstgeborenen Ferkel hilfreich sein. Das Versetzen von Ferkeln, der sogenannte Wurfausgleich, hat zwingend nach der Kolostrumaufnahme zu erfolgen.

Die ideale Umgebungstemperatur ist für die Ferkel wichtig, damit nicht zu viel Energie zur Erhaltung der Körpertemperatur verloren geht. Ein guter Kompromiss zwischen der Temperatur im Ferkelnest und der Umgebung verringert zudem das Risiko von erdrückten Ferkeln.

Regelmässiges Säugen

Der stündlichen, ungestörten Milchaufnahme gilt ein besonderes Augenmerk. Wird die Milch von den Ferkeln in unregelmässigen Abständen abgerufen, kann dies beim Muttertier zu Milchstau oder gar zu vorzeitigem Milchversiegen führen. Gute Beobachtung und Interpretation der Körpersignale des Muttertieres (Temperatur) und des Wurfes lassen frühzeitig Probleme erkennen. Entzündungen des Gesäuges oder später verstecktes, unregelmässiges Umrauschen der Muttertiere können weitere Auswirkungen sein, mit der schwerwiegenden Folge, dass die Ferkel schlecht mit Nährstoffen versorgt und im Wachstum beziehungsweise in der Gesundheit gehemmt werden. Signale betreffend der Milchleistung können sowohl am Ferkel als auch beim Muttertier wahrgenommen werden.

Ferkel nicht ausbremsen

Bezüglich Impfprophylaxe ist den Erregern innerhalb des Betriebs Rechnung zu tragen, und entsprechend muss das Impfprogramm angepasst werden. Zu frühe Behandlungen vor den ersten drei Lebenstagen sind zu vermeiden. Eine zu früh erfolgte Eisengabe kann beispielsweise das Wachstum von pathogenen Bakterien wie E. Coli oder Streptokokken noch zusätzlich fördern.

Das Zufüttern von Wühlerde und Ferkelstarter nach der ersten Lebenswoche ist eine wichtige Ergänzung zur Muttermilch. Gut bekömmliche, hoch verdauliche Rohkomponenten und Zusatzstoffe im Starterfutter helfen die Verdauung auf die bevorstehende Aufnahme von Festfutter vorzubereiten. Ein frühes Enzym-Training und eine demzufolge gut funktionierende Verdauung sollen dem Einsatz von Tierarzneimitteln vorbeugen. Die später folgende Umstellung auf das Aufzuchtfutter sollte nicht gleichzeitig mit dem Absetzen und schonend erfolgen.

Zum richtigen Zeitpunkt

Die Kastration und das Impfen der Ferkel sind ein schwerer Eingriff. Sie bedeuten Stress. Umso wichtiger sind der richtige Zeitpunkt und die korrekte Ausführung, damit das Ferkel nicht in seiner Entwicklung beeinträchtigt wird. Die Impfungen (Circoviren, Lawsonia) in der späteren Säugephase müssen unbedingt an gesunden Ferkeln erfolgen. Dies gewährleistet den optimalen Impfschutz.

Eine gut abgestimmte, bedarfsgerechte Fütterung und Haltung, kombiniert mit hochstehendem Management, sind essenziell für ein frohwüchsiges Ferkel und für eine erfolgreiche Zucht- oder Mastsau.