melior AG
melior LONGLIFE® – das Konzept für effiziente Zuchtsauen Gewichtsmassband richtig einsetzen Julia Bertsche, melior Schweinezuchtspezialistin (Foto: Ueli Aeschbacher)

Nebenprodukte in den Trog

Fachbericht von Stefan Müller, PM Schweine, melior

In der Schweiz hat die Verfütterung von Nebenprodukten an Schweine Tradition. Da bei bestehenden Betrieben mit Nebenprodukten das Steigerungspotenzial oft begrenzt ist, bietet sich eine Chance für Neueinsteiger.

In der Ostschweiz sind viele Schweineställe seit jeher in den Händen der privaten Käsereien, im Bernbiet nahmen die Bauern die Schotte von den vielen dezentralen Käsereien zurück, und in der Westschweiz waren – und sind teilweise heute noch – die Käsereigenossenschaften die Besitzer von grossen Schweinemastställen, um die anfallenden Schottemengen zu verfüttern. In den Anfängen wurde mehrheitlich Schotte vertränkt, mit den Jahren hat die Bedeutung weiterer Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie wie Brot, Teig, Weizenstärke, Käseabfälle oder Kartoffelschälbrei zugenommen.

Auf Ackerbaubetrieben werden hofeigene Ackerfrüchte wie beispielsweise Getreide oder Mais über die Schweine veredelt. Vom Betriebsleiter fordert die Ergänzungsfütterung viel unternehmerisches Denken und zum Bereitstellen seiner Futtersuppen einiges an zusätzlichem Aufwand. Technische Installationen erfordern Kapital, Unterhalt und Know-how.

Lagerraum schaffen

Die eingesetzten Nebenprodukte oder die betriebseigenen Futtermittel werden so ergänzt, dass das Schwein eine bedarfsgerechte und an das Gewicht angepasste Ration in mehreren Phasen erhält. Die Kunst besteht darin, die Gehalte und die Fütterungseigenschaften der Nebenprodukte möglichst genau einzuschätzen und die Ergänzung zu planen.

Die Produkte müssen eine einwandfreie Qualität haben, und es müssen entsprechende Lagerinstallationen und Lagerkapazitäten wie isolierte Tanks oder Rührwerke vorhanden sein. Genügend Siloraum für Ergänzungsfutter erlaubt, möglicherweise auftretende Lieferengpässe oder Lieferschwankungen auszugleichen. Die verfügbaren Tagesmengen müssen mit dem Tierbestand korrelieren. Nur so kann das volle Leistungspotenzial der Zucht- und Masttiere ausgeschöpft werden.

Image und Chance

Im nächsten Jahr ist in der Schweiz wegen ablaufenden Übergangsfristen im Tierschutzbereich (Vollspaltenböden) bekanntlich mit einer gewissen Reduktion der Anzahl Mastplätze zu rechnen. Die Milchnebenprodukte und Sekundärprodukte aus der Lebensmittelindustrie werden jedoch in etwa gleichen Mengen anfallen. Da bei bestehenden Betrieben mit Nebenprodukten das Steigerungspotenzial oft begrenzt ist, bietet sich eine Chance für Neueinsteiger in der Ergänzungsfütterung. Die Rolle der Schweinehalter als Verwerter von Nebenprodukten aus der Lebensmittelindustrie sowie der Verbrauch von Rohwaren aus der Brotgetreide- oder Rapsverarbeitung über Mischfutter wird immer wichtiger. Nicht zuletzt, um einen gesunden Kreislauf der Nährstoffe vom Ackerbau bis zur Tierproduktion und retour zu gewährleisten. Deshalb brauchen wir eine produktive Schweizer Landwirtschaft.