melior AG

Stets bei Fresslaune halten

Fachbericht von Bernhard Bütikofer, PM Kleinwiederkäuer, melior

Für die Ziegenmilchproduktion sind professionell geführte Betriebe, eine gute Beobachtungsgabe und Fingerspitzengefühl gefragt. Die wählerischen Tiere bei hoher Fresslaune zu halten, gilt als besondere Herausforderung.

Ziegen unterscheiden sich mit ihrem Fressverhalten deutlich von anderen Wiederkäuern. Das ausgeprägte Naschen liegt in ihrem natürlichen Instinkt. Sie fressen die feinen, weichen Futterteile als Erstes und machen sich erst dann an den härteren Rest heran oder verschmähen diesen ganz. Aber auch der starke Futterneid ist sehr charakteristisch. Betriebe ohne Futterband können mit Fressblenden zwischen den einzelnen Plätzen an der Fressachse für mehr Ruhe sorgen. Dieser Sichtschutz zur Nachbarziege reduziert nicht nur den Stress, sondern erhöht damit auch den Verzehr.

Mischration hat Vorteile

Homogene, schmackhafte Mischrationen aus einwandfreier Silage, Dürrfutter und Ausgleichsfutter bewähren sich bei Ziegen sehr gut. Auch in silofreien Betrieben bringen Trocken-Mischrationen mit jungem, zuckerreichem Dürrfutter, evtl. Saftfutter oder Trockenschnitzel und Ergänzungsfutter Vorteile. Der Verzehr steigt, die Pansenverdauung läuft synchroner und das Ausselektieren wird vermindert. Trotzdem sind auch bei diesem System Restfutter bis 10 Prozent normal.

Energiedichte im Fokus

Das Leistungsfutter im Melkstand muss für eine gute Lockwirkungmöglichst schmackhaft sein. Gleichzeitig soll es speditiv und ohne selektieren aufgenommen werden können. Weil sich die Futtermenge im Melkstand zwangsläufig auf nur zwei Gaben pro Tag verteilt, soll sie nicht höher als nötig sein. Andernfalls drohen Probleme mit Pansenazidose.

Entsprechend wichtig ist die Energie- und Proteinversorgung über die Grundration. Gute Grundfutter, ausgeglichen und aufgewertet mit passenden Ergänzungsfuttern, bildet die Basis für eine leistungsbetonte und effiziente Fütterung. Vermehrt werden auch Produkte mit aufgeschlossener Leinsaat eingesetzt. Die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren sind eine begehrte Energiequelle und pushen Stoffwechsel, Fruchtbarkeit und Immunsystem. Kraftfutterstationen mit individueller Dosierung wären eine Alternative zu aufgewerteten Grundrationen oder erhöhten Gaben im Melkstand. Bis jetzt sind sie aber auf Schweizer Ziegenbetrieben nur selten anzutreffen.

Speichelbildung anregen

Ziegen brauchen Viehsalz und ein passendes Mineralfutter in der Grundration oder zur freien Verfügung mit Leckmassen im Stall. Letzteres fördert durch das Lecken die Speichelbildung, was den Pansen zusätzlich abpuffert und die Verdauungsvorgänge anregt. Im Gegensatz zu Schafen haben Ziegen einen normalen Kupfer-Bedarf. Ein reines Schafmineralfutter kann bei ihnen längerfristig zu Kupfermangel führen.

Komfort in Liegenischen

Hohe Futteraufnahmen bedingen für eine bessere Leistungsbereitschaft auch längere Wiederkäuzeiten. Genug Platz, saubere und weiche Liegeflächen sowie freier Zugang zum Futtertisch erlaubt es den Ziegen, ihren individuellen Fressund Wiederkäurhythmus voll auszuleben. Saubere Tränken mit frischer Wasserzufuhr stellen eine genügende Flüssigkeitsaufnahme sicher. Neben viel Licht und frischer Luft sorgen zudem erhöhte Liegeplätze und Liegenischen für optimalen Komfort im Ziegenstall.