Kleiner Preis, grosse Leistung
Der Preis für die guten AA-Tränkekälber ist hoch. Darunter leidet die Bruttomarge der Grossviehmäster. Wer statt der AA- weniger fleischige A-Kälber einstallt, kann unter Umständen mehr verdienen. Dazu muss das Management angepasst werden.

Kann man mit einem billigeren Tränkekalb einen guten Muni mästen? Lohnt es sich, teure Tränker einzustallen mit dem Risiko, dass nach der Mast der Schlachterlös die Ankaufskosten nicht deckt? Diese Frage stellen sich die Grossviehmäster immer wieder. Besonders aktuell wird sie, wenn die Tränker gesucht und die Preise hoch sind. Berechnungen, die die Firma Melior bei ihren Kunden angestellt hat, zeigen nun, dass der Erstklasstränker manchmal nur zweite Wahl ist.
Teure Tränker müssen als Muni überzeugen
Corsin Willi, Spartenleiter Rindviehmast bei Melior, erklärt: «Wenn ich einen AA-Tränker einstalle, muss ich danach einen C- oder einen H-Muni schlachten können, damit die Rechnung aufgeht. Stalle ich aber einen A-Tränker ein und verkaufe einen T-Muni, so ist die Bruttomarge nicht zwingend tiefer.» Die Bruttomarge ist der einfachste Weg, um die Wirtschaftlichkeit laufend zu checken. Man zieht vom Verkaufserlös des geschlachteten Tieres den Ankaufspreis ab und teilt das Resultat durch die Anzahl Futtertage. Eine Bruttomarge von 5 Franken oder mehr pro Tag ist gut, 4.50 Franken reichen zum Überleben, unter 4 Franken wirds aber kritisch. Auf einem Mastbetrieb hat er zusammen mit dem Betriebsleiter die eingestallten Kälber nach dem Ankaufspreis gegliedert: Kälber billiger als 500 Franken (weniger als 8 Franken pro Kilo LG), Kälber zwischen 500 und 750 Franken und solche, die mehr als 750 Franken (über 12 Franken pro Kilo LG) kosteten. Nach der Schlachtung der knapp 60 Tiere, die im Zeitraum von vier Monaten auf den Betrieb kamen, wurde Bilanz gezogen. Fast alle der günstigen A-Tränker erzielten mehr als 5 Franken Bruttomarge, das «Spitzenkalb» mit 6.29 Franken wurde für 435 Franken gekauft. Unter den Tieren, die eine knappe oder ungenügende Marge erzielten, waren ebenso viele AA- wie A-Tränker. Das, obschon der Mäster ein absoluter Profi ist und bezüglich Fütterung keine Fehler macht.
Anforderungen der Abnehmer vergleichen
Der Vergleich zwischen den Mästern zeigt: Am meisten Erfolg haben jene, die jedes Kalb nach seinem Potenzial mästen und die Muni in jenen Kanal liefern, der bezüglich Fleischigkeit, Ausmastgrad und Gewicht am besten passt. «Label wie Swiss Quality Beef oder Bell Prime Beef verlangen Coder H-taxierte Schlachtkörper, allerdings wird hier die Bruttomarge durch die kurze Mastdauer angehoben », stellt Corsin Willi klar, «für Terrasuisse oder teils auch QM reichen auch T+-Schlachtkörper. Hier erzielt man mit A-Kälbern eine gute Bruttomarge.» Auch bei den Abzügen unterscheiden sich die Abnehmer deutlich. Wer den Erlös maximieren will, vergleicht also die Kanäle bezüglich Anforderungen und liefert gezielt. Es reicht allerdings nicht, wenn man sich kurz vor der Schlachtung für einen Abnehmer entscheidet. Corsin Willi: «Je leichter die Muni geschlachtet werden sollen, desto intensiver muss die Fütterung berechnet werden.» Der optimale Ausmastgrad lässt sich nicht in zwei Wochen erreichen. «Damit Fettauflage und Marmorierung stimmen, muss die Intensität von Beginn weg so hoch wie möglich sein – wie hoch, ist dabei auch von der Genetik abhängig. » Noch nicht geklärt ist die Frage, ob ein AA-Kalb mit mehr Fleischansatzpotenzial auch eine bessere Futterverwertung hat oder ob es einfach mehr frisst als sein ANachbar. Da die Futterverwertung einen erheblichen Einfluss auf die Produktionskosten hat und die Wahl zwischen A und AA weiter beeinflusst, möchte melior die Kenngrösse in einem Forschungsprojekt mit der Agroscope näher bestimmen.
CH-Tax schon beim Einstallen
Damit man weiss wie füttern, muss man wissen, was das Kalb erträgt. Immer mehr Mäster gehen deshalb zu Recht noch einen Schritt weiter. Sie taxieren nicht erst den schlachtreifen Muni, sondern schon das Kalb beim Einstallen. So können sie bereits zu Beginn der Mast die Fütterungsintensität steuern. Und abschätzen und darauf reagieren, wie die Nachfrage bei Schlachtreife sein wird. Wer sein Auge gezielt schult, kann die Kälber sehr exakt beurteilen. Einer unserer Mäster hat von 174 Kälbern fast die Hälfte richtig eingeschätzt, bei einem weiteren Drittel lag er nur um einen halben Taxpunkt daneben. Einen weiteren Vorteil haben Bauern, die ihre Kälber gut anschauen, auch im Handel. Denn ob AA oder A, mehr als 12 oder weniger als 8 Franken pro Kilo, entscheiden die Händler oder die Verkäufer. Einen objektiven Messwert gibt es nicht. Das führt dazu, dass bei guter Nachfrage und knappem Angebot schon das eine oder andere Kalb als AA gehandelt wird, obwohl die Fleischrassengenetik nicht so durchzuschlagen scheint.