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Klauenpflege ist keine Illusion mehr

Bild Die Ursachen von Klauenschäden bei Zuchtsauen sind vielfältig und in den wenigsten Fällen sofort ersichtlich. Betriebsmanagement, Stallbau, durchschnittliches Alter der Herde oder die Fütterung muss genau unter die Lupe genommen werden, bevor Massnahmen definiert werden können. Zur Beurteilung der Klauengesundheit beginnt man am besten bei den Jungsauen: Sind bereits Läsionen in Jungsauen-Gruppen vor der Feldprüfung ersichtlich? Oder machen sich Probleme erst nach der ersten Säugezeit oder gar später bemerkbar?

Festbodenanteil erhöhen

Durch die Entwicklung und zum Teil Verschärfung der Tierschutz- Massnahmen, Labelanforderungen und Ethoprogramme wird der perforierte Bodenanteil immer kleiner. Dadurch sinkt die «Trockenzeit» der Klauen; sie sind je länger desto mehr einer feuchten Umgebung ausgesetzt. Das vermehrte Auftreten von Panaritium ist eindeutig dieser Ursache zuzuschreiben.

Das unbekannte Organ

Schweinezüchter, Tierärzte und Beraterkreise haben sich bisher gar nicht oder nur dürftig mit der Anatomie der Schweineklaue
auseinandergesetzt. Im Gegensatz zur Klaue des Rindes, welche bereits dem Landwirtschaftslehrling von der Schule her und von der regelmässigen Klauenpflege auf dem Betrieb bekannt ist, war es nicht unbedingt notwendig, von der Schweineklaue mehr zu wissen. Mit dem Schweizerischen Schweinezuchtprogramm und der konsequenten Selektion im Rahmen der Feldprüfung können heute Stellungsprobleme, die mit dem Bewegungsapparat und der Klaue zusammenhängen, mehrheitlich ausgeschlossen werden. Trotzdem findet man, wenn man sich vermehrt mit dieser Thematik auseinandersetzt, immer wieder Betriebe, wo die Ursache für gravierende Klauenprobleme eng mit Stellungsfehlern zusammenhängen. Ein Thema, welches auch in der Zuchtebene näher angeschaut wird, ist das Problem der Osteochondrose (Knorpeldegeneration). Diese ist klar von Klauenschäden zu differenzieren.


Sicht der Tierärzte

Auch in der Beratung und von Seiten der Bestandestierärzte war lange Zeit wenig Wissen über die inneren Auswirkungen von Klauenschäden vorhanden. Tierärzte der Universität Zürich haben sich in den letzten Jahren intensiv mit der Pathologie der Schweineklaue auseinandergesetzt. Aus pathologischer Sicht können die Klauenschäden folgendermassen eingeteilt werden:

Das Trauma

Eine Blutung, verursacht durch mechanische, äussere Einwirkungen, lässt eine zweite Klauenwand wachsen, vergleichbar mit einem Bluterguss unter einem menschlichen Fingernagel. Auch die vertikalen Klauenrisse gehören in diese Kategorie, welche oft auf Verletzungen auf Spaltenböden zurückzuführen sind.

Die Entzündung

Die klassische Entzündung ist das Panaritium. Nachdem ein Erreger durch eine Verletzung in den Fuss eintreten konnte, schwillt dieser durch die Infektion stark an. Der Schweinezüchter kennt dieses Bild und ebenfalls die Ohnmacht, dass diese Art von Klauenschaden trotz Antibiotika- Behandlungen nur langsam oder gar nichtmehr zu «reparieren» sind.

Mechanische Schädigung

Minderwertiges Klauenhorn kann durch fehlerhafte Ernährung entstehen. In der Folge ist die Klaue anfälliger auf Verletzungen. Bereits kleine Schäden, die durch normale Rangkämpfe in der Grossgruppe oder auch durch die nützlichen Flächenroste entstehen, können zur Ursache eines grösseren Bestandesproblems werden.

Zu lange/kurze Klauen

Zu lange Klauen und/oder Afterklauen sind entweder genetisch bedingt oder entstehen durch mangelnde Abnützung. Sie führen zu Fehlstellungen des Bewegungsapparates. Zu lange Afterklauen werden auf Flächenrostböden abgerissen, Infektionen sind die Folge.

Betriebsauswirkungen

Die Auswirkungen auf den Zuchtbetrieb von Klauenschäden sind:
• Mangelnde Körperkondition
• Mehr Erdrückungsverluste
• Höhere Umrauschrate
• Höhere Remontierungsrate
• HöhereMedikamentenkosten
• Höherer Arbeitsaufwand
• Umtriebe und Ärger für den Betriebsleiter

US-Untersuchungen

Amerikanische und europäische Untersuchungen zeigen, dass Klauen-Schäden die wichtigste Ursache für lahme Sauen sind. Zahlen aus Dänemark, Kanada und den USA zeigen, dass bis zu 44 Prozent der abgehenden Sauen Klauenschäden aufweisen. FeetFirst ist eine internationale, im Jahr 2008 einberufene, Arbeitsgruppe und besteht aus renommierten Forschern, Tierärzten und Fütterungsspezialisten. Das Ziel von FeetFirst ist eine Verbesserung des Wohlergehens und somit auch der Wirtschaftlichkeit der Schweineproduktion durch das Erkennen und Vermindern von Lahmheiten.

Einfluss der Fütterung

Durch den gezielten Einsatz von organischen Spurenelementen sowie von Biotin kann die Klauenqualität nachweislich verbessert werden. Die Wirkung von Organischen Spurenelementen und Biotin auf die Klauensubstanz kann in einem Vergleich mit einem Mauerwerk aufgezeigt werden. Das Biotin ist zu vergleichen mit der Qualität des Zementes und die Spurenelemente mit der Qualität der Bausteine. Biotin ist ein B Vitamin und spielt eine wichtige Rolle bei der Kreatin-Synthese. Durch Biotin werden die Zellen der Klauensubstanz zusammengeheftet. Spurenelemente in organischer Form sind an eine Aminosäure gebunden und werden dadurch im Dünndarm schneller und vollständiger aufgenommen als Spurenelemnte in anorganischer Form. Mangan, Kupfer, Selen und Zink haben nebst den anderen essentiellen Spurenelementen einen speziellen Einfluss auf Immunabwehr, Kreatinproduktion, Enzymwirkung und als Antioxidantien. Dadurch sind sie für eine gesunde Klauenhorn-Bildung und –erhaltung von grösster Bedeutung.

Klauenpflege in der Praxis

In der Schweiz haben mehrere Versuche bewiesen, dass der gezielte Einsatz von Organischen Spurenelementen die Klauenqualität verbessert und die Tierarzkosten massiv gesenkt werden können. Die Klauenpflege bei Zuchtsauen war bisher im Grossen und Ganzen beschränkt auf das Kürzen der überlangen Zehen und Afterklauen. Dies geschah vorwiegend im Abferkelstall, wo die Sau am zugänglichsten war. Die Fachgruppe FeetFirst hat im Rahmen des Projektes die professionelle Klauenpflege bei Zuchtsauen genauer unter die Lupe genommen. Damit die Klauenpflege bei Sauen regelmässig und effizient gemacht werden kann, muss das Tier in einem Klauenpflegestand fixiert werden. Die Klauenpflege wird in vier Schritten durchgeführt:
1. Kürzung der Klauen mit der Klauenzange.
2. Begradigen der Klauenwand mit demWinkelschleifer.
3. Abschleifen der Sohle mit demWinkelschleifer.
4. Kürzen der Afterklauen mit der Klauenzange.
Es ist sehr wichtig, dass der Winkelschleifer niedertourig dreht (ab 800 Umdrehungen). Dadurch entsteht weniger Wärme
und die Klaue nimmt keinen Schaden.

Fazit

Nicht alle Zuchtbetriebe sind von Klauenproblemen gleich stark betroffen. Oft leiden Betriebe darunter, in denen aus erster Sicht keine gravierenden Managementfehler passieren. Zur Ergründung der Ursachen bleibt nur derWeg einer intensiven Analyse durch den Betriebsleiter, evt. mit Hilfe des Bestandestierarztes, des Schweinegesundheitsdienstes oder eines Schweinefachmannes. Gehen Sie nach dem "Trichter Verfahren" vor: Vom Groben ins Detail. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass mit der Sensibilisierung der Betriebsleiter in diesem Thema die Probleme früher erkannt werden und dadurch mit den entsprechenden Massnahmen und Behandlungen rechtzeitig begonnen wird. Es gibt Schweinezüchter, die die Klauen ihrer Sauen zwei Mal jährlich imgekauften oder selbstgefertigten Klauenstand behandeln. Sie sehen dadurch einen grossen Nutzen und würden nicht mehr darauf verzichten.
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