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Fachberichte
  • 18.02.2023

Nahrung reguliert das Erbgut

Eine gute Futterverwertung ist eine wichtige Zielgrösse. Aber die aufgenommene Nahrung kann auch auf die Erbanlage Einfluss nehmen und so den Stoffwechsel regulieren. Eine Feinabstimmung der Fütterung ist sinnvoll.

Nahrung gehört zu den einflussreichsten Umweltreizen überhaupt. Das Signal «Hunger», also die Unterversorgung mit Nährstoffen, zeigt dem Lebewesen an, dass der Stoffwechselprozess runtergefahren oder sogar mit der Fortpflanzung pausiert werden soll. Umgekehrt werden die Zellen aber auch angeregt, bei guter Futterverfügbarkeit die Körperreserven aufzufüllen und die Stoffwechselprozesse wieder hochzufahren. Diesen Umstand nutzen wir mit dem Flushing bei den Zuchtsauen. Die Rausche wird eingeleitet bei vorherigem Futterstress.

Einfluss der Nahrung

Die Nutrigenomik, auch als Ernährungsgenomik bekannt, untersucht die Einflüsse der Ernährung auf Lebewesen und deren Erbgut (DNA). Die Fütterung reguliert auch Prozesse direkt im Muskel, was sich unter anderem in der Fleischqualität niederschlägt. Die Wechselwirkungen sind komplex, und je nach Tierart sind 30 000 bis 40 000 Erbfaktoren (Gene) beteiligt. Natürlich spielt die Rassezugehörigkeit eine Rolle, da spezifische Gene die Rassen auszeichnen. Generell gilt: Für jede Bildung von körpereigenen Substanzen wie Verdauungsenzymen oder Strukturproteinen in der Muskulatur muss der Bauplan im Erbgut abgelesen und die Aminosäuren müssen zusammengebaut werden.

Darm braucht Energie

Für ein ausgewogenes Wachstum ist die richtige Zusammensetzung des Futters je nach Lebensphase entscheidend. Der Darm braucht Energie und Baustoffe, um funktionieren zu können. Obwohl der Dünndarm weniger als 5 Prozent der Gesamtkörpermasse ausmacht, ist er für 25 Prozent des Energieverbrauchs und für 20 bis 50 Prozent des gesamten Proteinumsatzes bei Schweinen verantwortlich. Diese hohe Aktivität führt zu einem hohen Eigenbedarf der Darmzellen. Threonin ist eine der neun essenziellen Aminosäuren und ist im Darm von entscheidender Bedeutung für die Abwehrreaktion oder für die Glukoseaufnahme. Fehlt Threonin, bilden sich die Darmzotten bereits nach zwei Wochen zurück, und sie können weniger Nährstoffe aufnehmen. Auch hat das L-Carnitin im Zellstoffwechsel eine lebenswichtige Funktion. Es wird aus den essenziellen Aminosäuren Methionin und Lysin gebildet. Wenn nun diese fehlen, hat das weitreichende Folgen für den Fettsäuretransport, für den Muskelaufbau und für das körpereigene Abwehrsystem.

Abwehrsystem beeinflusst

Die optimale Nährstoffaufnahme und das Abwehrsystem sind beim Schwein von zentraler Bedeutung, denn: Wenn der Gesundheitszustand nicht stimmt, ist die Leistung reduziert. Ein aktiviertes Immunsystem hat eine Umverteilung der Energie zur Folge, also weg vom Wachstum hin zum Immunsystem. 

Während einer Infektion kann der Gesamtbedarf von Zucker um bis zu 50 Prozent ansteigen. Nebst den essenziellen Aminosäuren braucht es auch essenzielle Spurenelemente. Selen ist nicht nur für die Nervenzellen, sondern auch für die verschiedenen Abwehrzellen erforderlich und zeigt bei gezielter Fütterungsergänzung eine verbesserte Immunität beim Schwein. Wenn verschiedene Stoffe zusammenspielen, kann ein positiver Effekt daraus entstehen: Selen und Vitamin E haben eine antioxidative Wirkung (Zellschutz) und einen positiven Effekt auf die Fettqualität des Schweins.

Feinabgestimmt füttern

Auf der Grundlage der Nutrigenomik können die komplexen Mechanismen der Gen-Nährstoff-Wechselwirkungen und der Umwelteinflüsse bezogen auf das gesamte Erbgut aufgezeigt werden. Sie ermöglicht die Messung von Ernährungseffekten, mit dem Ziel der Feinabstimmung des Schweinefutters, um die Wachstumsleistung, die Fleischqualitätsmerkmale oder die Krankheitsresistenz nebst den Rassemerkmalen zu optimieren. Eine ausgewogene Ernährung ist deshalb entsprechend dem Bedarf und dem Alter wichtig. 

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